Nord-
germanen?

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Da Wikinger nicht auf allen Mittelalterfesten gern gesehen sind, weisen wir an dieser Stelle nochmal darauf hin, das Wikinger zu den germanischen Stämmen gehören und deren Darsteller auch nicht nur zum trinken auf Mittelaltermärkten ihr Lager aufbauen. Showkampf und Gesangseinlagen, Lagerleben und Handwerk, all diese Dinge tragen wir und andere nordgermanische Wikingergruppen gerne zu einem Mittelalterfest bei.


Kampf

Was sind Wikinger?

Das eigentliche Problem bei der Darstellung von "Wikingern, oder Nordgermanen" besteht in erster Linie darin, abzuklären, wer oder was diese Menschen waren und verkörperten. Auf vielen anderen Webseiten steht zu diesem Thema schon sehr viel, wir möchten hier schreiben was wir darunter verstehen.

Die Menschen die als Wikinger bekannt wurden, waren eigentlich Mitglieder der germanischen Stammesfamilie. Die Zeit der großen Wikingerfahrten war zwischen dem Jahren 750 und 1100 unserer heutigen Zeitrechnung.
Genauer gesagt bezeichnet diese "Wikingerzeit" jene Zeit in der die nordgermanischen Völker eine starke Expansions- und Piratentätigkeit an den Tag legten.
Der Begriff Wikinger, bedeutet daher auch Pirat oder Räuber. Es ist meines Erachtens aber ein Fehler alle nordgermanischen Völker und deren Mitglieder auf genau diese Tätigkeit zu reduzieren. Schließlich sagt man auch nicht, dass im 12 Jahrhundert alle Männer Tempelritter gewesen sind.
Natürlich ist es eine historische Tatsache, dass eben jener Aspekt der Aggressions- und Expansionspolitik diese Menschen unvergesslich hat werden lassen.
Aber das war nicht alles was sie für uns interessant macht.

Der Beginn des Wikingerzeitalters wird gerne mit dem 08.Juni 793 datiert, dort geschah der Überfall auf das Kloster von Lindisfarne.
Das Ende dieser Epoche wird mit der Schlacht von Hastings am 14.10.1066 angegeben. Aber was ist nun das besondere an dieser Epoche in der die Menschen lebten?

Überlebenskünstler

Das worüber man immer wieder stolpert, wenn man genauer über die nordgermanischen Völker nachdenkt, ist die Kunst zu überleben.
Das Leben in Nordeuropa, besonders in Skandinavien dürfte auch unter der Annahme, das die klimatischen Verhältnisse etwas besser als die heutigen waren, trotzdem nicht einfach gewesen sein.
Auf der Suche nach neuem Besiedlungsland wendeten sich diese Menschen nicht nach Süden. Nein, sie besiedelten zunächst Island, dann Grönland und schafften es schließlich sogar bis Neufundland.
Hier offenbart sich etwas, das gar nichts mit Kriegertum und schrecklichen Seeräubern zu tun hat. Die Wikinger waren eben auch Siedler und Bauern. Normale, einfache Menschen mit normalen Bedürfnissen. So hatten die nordgermanischen Völker trotz des harten, kargen Lebens im hohen Norden, auch ein Verständnis für Kunst und Kultur.
Viele Funde belegen, dass auch die einfachen Gebrauchsgegenstände des normalen Lebens mit Ornamentik und Darstellungen reich verziert waren. Es waren also Menschen, die unter harten Bedingungen lebten, aber es trotzdem verstanden sich weiter zu entwickeln.

Geniale Seefahrer

Die Wikingerboote waren über viele Jahrhunderte die schnellsten und vielseitigsten Schiffe.
Mit ihnen konnte man auch über weite Strecken offener See fahren, dies vermochte zu dieser Zeit niemand sonst in Europa. Durch die flache Bauweise konnten sie aber auch auf Flüssen und in küstennahen Gebiet eingesetzt werden.
Die Verbindung von Rudern und Segeln machte diese Boote unabhängig vom Wind und vom manövrierfähigen Raum. Wenn also der Wind zum segeln nicht ausreichte, oder aus der falschen Richtung wehte und kein Platz zum Kreuzen vorhanden war, wurden die Schiffe gerudert.
Diese Tatsachen machten es möglich, dass die Wikinger direkt bis an die Küste zu fahren, einen kurzen Ausfall zu machen und sofort wieder zu verschwinden konnten.
Durch die leichte Bauweise der Schiffe, konnten sie sogar über längere Strecken getragen werden. Was zwar bestimmt eine elende Plackerei war, aber es machte es möglich sogar die Flüsse zu wechseln. Dies ist eine der Vorraussetzungen für die weit verzweigten Handels und Siedlungsreisen der Wikinger.
Neben diesen technischen Erfolgen im Schiffbau verfügten die nordgermanischen Völker über seefahrerisches Geschick und auch überliefertes Wissen. Anhand der Farbe des Wassers, den Strömungen, markanten Landformationen und dem Stand von Sonne, Mond und Sternen konnten sie sich orientieren.
Somit wurden erstmals lange Seefahrten möglich, die eine Orientierung auch außerhalb der Landsicht verlangten.

Vielseitige Menschen

Die Nordgermanen konnten ihre Epoche im Wesentlichen nur dadurch so tief greifend beeinflussen, dass sie hervorragende Pragmatiker waren.
Sie taten das, was in der jeweiligen Situation notwendig war. Dabei gingen sie auch gerne eine Symbiose ein.
Die Wikinger sind uns als barbarische Seeräuber bekannt. Das ist aber nur eine von vielen Seiten, denn während sie auf der einen Seite als Seeräuber und Flußpiraten die gesamte Welt in Atem hielten, trieben sie auf der anderen Seite fruchtbaren und friedlichen Handel mit der ganzen Welt.
Sie besiedelten unwirtliche Gebiete, Island, Grönland und den Wolgaraum. Sie verdingten sich als Leibgarde an den byzantinischen Kaiser und schützten
gegen entsprechende Schutzgeldzahlungen Gebiete gegen die Überfälle anderer Wikinger.
Höhepunkt dieses "Versicherungsgeschäfts" war die Überreichung der nordfranzösischen Gebiete an Rolo. Diese Gebiete wurden fortan zur Normandie, dem Land der Nordmänner.

Die Gesellschaft

Die Gesellschaftsform der Wikinger ist sogar aus heutiger Sicht noch immer spannend und faszinierend. sie ist nicht mit den absolutistischen Monarchien späterer Zeiten vergleichbar und auch nicht mit den Republiken aus antiken Epochen.
Hier handelt es sich ohne zweifel um eine partriarchalische Gesellschaftsform. Der Vorstand einer Familie war der Hausher. Dies verstellt jedoch den Blick auf auf die Wikingerfrauen. Denn sie auf jeden Fall mehr als besser gestellt Sklaven ihrer Männer.
Schon bei der Hochzeit bekam sie den Schlüssel des Hauses überreicht.
Das bedeutete, dass eine Frau im Haus frei Schalten und Walten konnte. Sie war sozusagen für die "innerpolitischen" Dinge zuständig.
Dies ging allerdings weit über Kochen und Kinder bekommen hinaus. Sie hatte schon damals freies "Rederecht", was sich nach der Christianisierung sehr stark änderte und erst später von den Frauen wieder erkämpft wurde.
Zentrale Monarchien gab es erst zum Ende der Wikingerzeit, es gab zwar Anführer, diese wurden aber für die jeweilige Expedition gewählt. Daraus erwuchsen oft Schicksalsgemeinschaften, deren innerer Zusammenhalt sich aus der Überlebenswichtigkeit aller ergab.
Man kann davon ausgehen, dass für diese Unternehmungen ein Verhaltenscodex ergab, den man später mit "Einer für Alle - Alle für Einen" umschreiben würde.
Diese Bündnisse waren jedoch am Ende einer Unternehmung oder an einem ungefährlichen Punkt auflösbar.
Sippenübergreifend war die Thingversammlung sowohl legislatives als rechtssprechendes Organ. Während dem Hausherrn die Rechtsprechung in seinem Gebiet unterlag.
Geprägt war das Rechtssystem von verschiedenen natürlichen Rechten wie etwa dem Gastrecht oder der Blutrache. Wobei an die Stelle der tatsächlichen Blutrache
in den meisten Fällen das "Wergeld" trat.
Hierbei wurde ein entsprechender Geldbetrag für den Wert des Getöteten festgelegt. Das Wort findet sich noch in dem heutigen Wort Vergeltung wieder.
Dies ist System, das nur dann funktioniert, wenn es auf unumstößlichen moralischen Werten begründet, deren Übertretung harte Strafe nach sich zieht. Die härteste war der Ausstoß aus der Gemeinschaft.
Werte wie Mut, Wahrheit, Ehre, Treue, Disziplin, Gastfreundschaft, Fleiß als Tugenden üben für uns moderne Menschen insofern eine besondere Faszination aus, weil sie in unserer Zeit mehr und mehr zu leeren Phrasen verkommen.
Möglich war dieses System aber auch nur deshalb, weil der Wert eines Menschen sich nicht anhand seines Reichtums oder seiner gesellschaftlichen Stellung maß sondern an der Frage wie gut oder schlecht er diese Stellung ausfüllte.
Die Gesellschaft der Wikinger ist eine, die sich in freien, halbfreien und unfreien Menschen unterschied. Worin sich jedoch nicht allein ein Ausbeutungsverhältnis widerspiegelte, sondern auch ein Verantwortungsverhältnis.
Die Frage, wer sich an welcher Stelle dieses Systems befand war nicht allein eine Frage der Geburt sondern auch des Schicksals - welches sich wenden konnte.

Unbeugsame Heiden

Sehr faszinierend ist es auch, das die Wikinger über lange Zeit hinweg an ihrem Glauben festhielten und diesen auch beibehielten,
als der Rest des europäischen Kontinents längst chrisitanisiert war oder, wie die Iberische Halbinsel, islamisiert. Trotz vielfältigen Handels und Verkehrs mit den fast allen Völkern Europas und den Anstrengungen der Kirche, auch den Norden zu christianisieren, gelang es nie wirklich eine umfassende Missionierung vorzunehmen.
Aufgrund der fast fehlenden Dorfübergreifenden Infrastruktur und der Eigenständigkeit der einzelnen Gebiete und Familien dürften auch königliche Befehle und Thingbeschlüsse zur Christianisierung nur wenig Erfolg in dieser Hinsicht gebracht haben.

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